Uni künftig ohne Namenspatron
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Greifswald Uni künftig ohne Namenspatron

Der Name „Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald“ ist passé. Der Senat der Uni plädiert mehrheitlich für die Ablegung des Namens.

Die Hochschule wird künftig Universität Greifswald heißen.

Quelle: Peter Binder

Greifswald. Die Universität Greifswald hat künftig keinen Namenspatron mehr. Bei der Abstimmung des Senats über die Ablegung des Namens wurde am Mittwochnachmittag die erforderliche Zweidrittelmehrheit erreicht. 24 Mitglieder stimmten für eine Ablegung des Namens, elf stimmten dagegen. Das Bildungsministerium muss der Änderung noch zustimmen.

Dem Senat sei bewusst, dass die Ablegung des Namens in der Öffentlichkeit umstritten sein würde, teilte die Universität am Mittwoch mit. Das Ergebnis der demokratischen Abstimmung müsse nun jedoch akzeptiert werden.

Helmut Klüter, Geographieprofessor an der Uni Greifswald, gehört seit Jahren zu den vehementen Arndt-Gegnern. Er begrüßt die Entscheidung ausdrücklich, weil die Universität damit einen wichtigen Beitrag gegen des „Erstarken des Rechtspopulismus“ leistet. Freude auch beim Politik-Professor Hubertus Buchstein: „In 20 bis 30 Jahren wird man sehen, dass das eine gute Entscheidung war.“

Bedauern über das Votum des Senats kommt besonders von der CDU. „Das ist ein schlechter Tag für Greifswald“, sagt Axel Hochschild, Vorsitzender der Christdemokraten in Greifswald. Er ist überzeugt, dass die Mehrheit der Greifswalder hinter dem Namenspatron stand. Der CDU-Landtagsabgeordnete Egbert Liskow sagt: „Eine regelrechte Beseitigung von Arndt ist keine kritische Auseinandersetzung, sondern viel mehr ein Löschen der Zeitgeschichte.“

Der hochschulpolitische Sprecher der AfD-Landtagsfraktion, der Greifswalder Juraprofessor Ralph Weber, bezeichnete die Entscheidung als „verheerendes Signal“ 27 Jahre nach der Wiedervereinigung, weil Arndt Vorkämpfer für die Einheit und das Zusammenwachsen Deutschlands gewesen sei. Die Kosten für die Umbenennung schätzte er auf rund 300 000 Euro. Denn: „Alle Beschilderungen, Briefpapiere und Formulare müssen jetzt erneuert werden“, so Weber.

Ernst Moritz Arndt (1769 bis 1860) steht seit Jahren immer wieder in die Kritik. Während die einen Arndts antisemitische und nationalistische Äußerungen für unvereinbar mit dem im Leitbild der Universität geforderten Grundsatz der Weltoffenheit sehen, heben andere wiederum Arndts Einsatz für die Abschaffung der Leibeigenschaft und für Meinungs- und Pressefreiheit hervor. Die neuerliche Abstimmung war wieder von Studenten ins Rollen gebracht worden.

 oz

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