Verein will Freizeitanlage übernehmen
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Barth Verein will Freizeitanlage übernehmen

Aus dem langjährigen Schandfleck im Stadtteil Barth-Süd soll ein Integrationsobjekt werden.

Die Freizeitanlage in Barth-Süd befindet sich in einem maroden Zustand.

Quelle: Volker Stephan

Barth. Seit ihrer Errichtung im Jahr 1999 sorgt die Freizeitanlage in Barth-Süd, ein teils überdachter Bolzplatz mit Tartanbelag und Gerätehaus, bei Anwohnern und Abgeordneten regelmäßig für Diskussionen und Streit. Waren es anfangs nächtliche Lärmbelästigungen von Jugendlichen, die zu Beschwerden von Mietern der Wohnungsbaugesellschaft (Wobau) in der Brecht-Straße führten, folgten bald auch Vandalismus und nun schon seit geraumer Zeit der verwahrloste Zustand der Anlage.Die Freizeitanlage ist seit Jahren gesperrt. Kinder und Jugendliche finden aber trotzdem immer wieder einen Weg, um hier ihrem Fußballvergnügen nachzugehen. Das zeugt vom Bedarf einer solcher Freizeitmöglichkeit in Barth-Süd.

Über Vermüllung klagt vor allem Ulrich Schwabe, Hausmeister der angrenzenden Schule. Er muss nämlich morgens die Spuren des nächtlichen Vandalismus beseitigen. „Die Missetäter werfen nicht nur Müll auf das Schulgelände, sondern immer wieder auch Stücke des defekten Tartanbelages“, schildert er. Wie gerade erst in dieser Woche wieder. „Heute Nacht haben sie circa einen Meter breite Streifen des Tartanbelages wie Teppiche aufgerollt und rausgerissen“, so Ulrich Schwabe.

Für Wobau-Geschäftsführer Reinhard Marx ein bedauerlicher Zwischenfall, als dessen Auslöser er eine niedrige Hemmschwelle angesichts des katastrophalen Zustands des Tartanbelages ansieht. Die eigentliche Ursache allen Übels ist für ihn ein Planungsfehler zur Bauzeit: „Damals wurden rund um die Anlage Pappeln gepflanzt, deren Wurzeln den Belag von unten zerstörten. Im vergangenen Jahr wurden die Bäume von der Stadt beseitigt – ein erster Schritt zur Wiederherstellung.“

Sanierung kostet 200000 Euro

Eine Reparatur des 39 mal 18 Meter großen Tartanfeldes käme aufgrund seines aktuellen Zustandes nicht mehr infrage, sondern nur eine komplette Erneuerung. „Wir haben uns bereits gekümmert und darüber informiert. Danach würde die komplette Sanierung der Anlage etwa 200000 Euro kosten“, sagte Reinhard Marx. Geld, das die Wobau nicht aufbringen kann.

Allein die Errichtung der Anlage im Jahr 1999 und ihre Unterhaltung bis 2010 hatten rund 750000 Euro verschlungen. Allerdings konnten auf der Habenseite auch Fördermittel und bis zum Jahre 2008 Nutzungsgebühren von Stadt, Firmen und Vereinen verbucht werden. „Die Stadt bezahlte für die Nutzung durch die Liebknecht-Schule, stellte ihre Zahlungen aber 2009 ein. Ursprünglich war eine viel längere Nutzungsdauer vereinbart, sodass nun Schulden von 300000 Euro bei der Wobau hängenblieben.“ Den aktuellen Wert der Freizeitanlage bezifferte Wobau-Geschäftsführer Marx aufgrund der Schulden und Schäden auf null.

Stadt erteilt Kauf eine Absage

Einen Weg aus dem Dilemma sieht er im Engagement des auf Wobau-Initiative gegründeten Vereins „Willkommen in Barth“. Der Verein versteht sich als Bindeglied und Vermittler zwischen Barthern und den vielen Zuwanderern, die meist in Wobau-Wohnungen in Barth-Süd leben. „Es ist unsere Idee, dass unser Verein Fördermittel in der benötigten Höhe einwirbt, um die Freizeitsportanlage als Integrationsobjekt zu betreiben und den langjährigen Schandfleck zu beseitigen“, sagt Marx. Über diese Verfahrensweise bestehe ein Konsens zwischen Geschäftsführung, Aufsichtsrat und Vereinsvorstand.

Während der jüngsten Stadtvertretersitzung war die Freizeitanlage Gegenstand eines Tagesordnungspunktes. SPD-Fraktionsvorsitzender Holger Friedrich hatte einen Antrag eingebracht, nach dem die Stadt die Anlage erwerben und in die Liebknecht-Schule integrieren soll, weil die Sanierung von deren Außenanlagen ohnehin geplant ist. „Es kann doch nicht sein, dass ein Verein sich darum kümmert. Die Anlage ist Eigentum der Wobau. Es geht nicht vorrangig um ihren Erwerb, sondern um ihre Wiedernutzbarmachung“, sagte Friedrich. Bürgermeister Stefan Kerth (SPD) unterstützte die Grundidee: „Es ist ja ein Unding, so eine Anlage zu haben und dann nicht zu nutzen. Etwas tun müssen wir schon.“ Allerdings erteilte er dem Ansinnen, das Objekt in Eigentum der Stadt zu übernehmen, eine Absage. „Erwerben geht nicht. Wir können nicht auf allen Hochzeiten tanzen.“

Stadtvertreterin Christa Klingner-Ahlert (parteilos), die sich im Verein „Willkommen in Barth“ engagiert, unterbreitete das Angebot des Vereins, sich um die Wiederherstellung der Freizeitanlage zu kümmern. „Es muss nicht scheitern, nur weil wir ein kleiner Verein sind.“ Die Integrationsbeauftragte des Landes habe sich schon bereiterklärt, nach Barth zu kommen und die Anlage zu besichtigen. Im Ergebnis hoffe man auf die Förderung des Vorhabens. Die Stadtvertreter lehnten den Antrag Holger Friedrichs mit deutlicher Mehrheit ab.

Volker Stephan

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